Mit der bestandenen Gesellenprüfung ist die Ausbildung abgeschlossen – und die nächste Entscheidung beginnt: Bleiben Sie Geselle und vertiefen Ihr Handwerk, oder machen Sie den Meister und öffnen sich den Weg zu Führung, höherem Gehalt und der eigenen Selbstständigkeit? Beide Wege sind im Handwerk angesehen und gut bezahlt – sie verlangen aber unterschiedliche Stärken.

Wir vergleichen beide Karrierewege anhand konkreter Zahlen aus unseren Handwerks-Vermittlungen der letzten zwei Jahre – vom Gehalt über die Verantwortung bis zum Weg in den eigenen Betrieb.

Zwei Wege nach der Gesellenprüfung

Nach der Lehre führen zwei Hauptwege weiter. Beide können sich finanziell lohnen – entscheidend ist, was zu Ihnen passt:

Wichtig: Die Entscheidung ist keine Einbahnstraße. Viele Handwerker arbeiten zunächst einige Jahre als Geselle und holen den Meister später berufsbegleitend nach – oft sogar mitfinanziert vom Arbeitgeber.

Gehalt & Verantwortung im direkten Vergleich

Die folgenden Werte beziehen sich auf Angestellte in Festanstellung und sind über die Gewerke gemittelt. Betriebsinhaber verdienen in der Regel deutlich mehr (siehe Abschnitt Selbstständigkeit):

KriteriumGeselleMeister
Median-Gehalt (angestellt)38.000–48.000 €52.000–68.000 €
Gehaltsspanne mit Erfahrung34.000–55.000 €48.000–90.000 €
Realistischer Gehaltsdeckel (angestellt)ca. 55.000 €90.000–110.000 €
Typische VerantwortungFacharbeit, AusführungPersonal, Kalkulation, Projekte
Personalführungkeine bis VorarbeiterTeam, Kolonnen, Azubis
Ausbildungsberechtigung (AEVO)neinja
Eigener Betrieb (zulassungspflichtig)nur mit Ausnahmeja
Aufwand bis dahin1,5–2,5 Jahre berufsbegleitend
Aus der Praxis

Den größten Gehaltssprung macht nicht der Meisterbrief allein, sondern die Kombination aus Titel und Verantwortung. Wer als Meister ein Team, eine Werkstatt oder eine Filiale führt, liegt schnell 25–35 % über dem Gesellenniveau.

Der Weg des Gesellen: Spezialist im Handwerk

Der Geselle ist das Rückgrat jedes Handwerksbetriebs. Auch ohne Meisterbrief lässt sich eine solide Laufbahn mit steigender Verantwortung aufbauen:

Stärken dieses Wegs: kein Lehrgang, keine Kosten, früher das volle Gehalt – und der Fokus bleibt auf dem Handwerk statt auf Büro, Personal und Kalkulation. Ideal für alle, die ihr Gewerk lieben und nicht primär führen wollen.

Grenzen: Das Gehalt stößt irgendwann an eine Decke, die Ausbildung von Lehrlingen ist nicht erlaubt, und in den meisten klassischen Gewerken bleibt der eigene Betrieb ohne Meisterbrief verschlossen.

Der Weg des Meisters: Führung, Gehalt, Selbstständigkeit

Der Handwerksmeister ist die nächste Qualifikationsstufe nach dem Gesellen. Der Weg verläuft typischerweise über wachsende Verantwortung:

Stärken dieses Wegs: deutlich höheres Gehaltspotenzial, Führungsrollen, die Berechtigung zur Ausbildung und der Weg in die Selbstständigkeit. Der Meister zählt zur Fortbildungsstufe und gilt nach dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR 6) als gleichwertig zum Bachelor – inklusive Hochschulzugang auch ohne Abitur.

Anforderungen: Der Meister kostet Zeit und Geld (siehe nächster Abschnitt) und verlangt Freude an kaufmännischen Themen, Personalführung und Organisation.

Der Weg zum Meisterbrief: Kosten, Dauer, Förderung

Die Meisterprüfung gliedert sich in vier Teile, die einzeln abgelegt werden können:

Dauer und Kosten hängen von Gewerk und Lernform ab:

Kaum eine Weiterbildung wird so stark gefördert wie der Meister. Das Aufstiegs-BAföG übernimmt 50 % der Lehrgangs- und Prüfungsgebühren als Zuschuss; die andere Hälfte gibt es als zinsgünstiges KfW-Darlehen, von dem bei bestandener Prüfung nochmals 50 % erlassen werden. Dazu kommen die Meisterprämie einzelner Bundesländer (z. B. Bayern 3.000 Euro) und teils eine Gründungsprämie. Effektiv bleibt oft nur ein Bruchteil der Originalkosten.

Tipp

Sprechen Sie Ihren Arbeitgeber an: Viele Handwerksbetriebe übernehmen die Meisterkosten ganz oder teilweise – im Gegenzug für eine Bindung von zwei bis drei Jahren. Im Fachkräftemangel suchen Betriebe dringend Meister als Betriebsleiter oder Nachfolger.

Meisterpflicht & der Schritt in die Selbstständigkeit

Der größte Unterschied zwischen Geselle und Meister zeigt sich bei der Selbstständigkeit. Ob Sie einen Betrieb gründen dürfen, hängt vom Gewerk ab:

Wirtschaftlich ist die Selbstständigkeit der größte Hebel des Meisterbriefs. Bundesweit suchen Zehntausende Betriebe einen Nachfolger – wer als Meister einen gesunden Betrieb übernimmt, startet mit einem bestehenden Kundenstamm und einem Unternehmerlohn, der das frühere Gesellengehalt schnell verdoppeln kann.

Welcher Weg passt zu Ihnen?

Die Wahl zwischen Geselle und Meister ist weniger eine Frage des Prestiges als der eigenen Ziele:

Geselle bleiben passt, wenn …

Den Meister machen passt, wenn …

Unsere Empfehlung

Beide Wege sind gleichwertig – das Handwerk braucht exzellente Gesellen genauso wie starke Meister. Wer den Meister aber auch nur als Option in Betracht zieht, sollte ihn eher früh angehen: jünger fällt das Lernen leichter, die Förderung ist großzügig, und jedes Jahr mit Meistertitel zahlt sich über das höhere Gehalt aus.

Sie sind unsicher, wo Sie mit Ihrer aktuellen Qualifikation stehen? Unsere Handwerks-Berater ordnen Ihren Marktwert als Geselle oder Meister anonym ein – kostenlos und unverbindlich.