Im Handwerk fehlen Fachkräfte, viele Betriebe suchen händeringend nach Personal. Das öffnet Türen für Quereinsteiger aus verwandten Berufen – mit attraktiven Gehaltsaussichten.
Doch wie realistisch ist ein Quereinstieg ins Handwerk? Welche Voraussetzungen brauchst du, und was kannst du verdienen? Wir geben dir eine ehrliche Einschätzung.
Warum das Handwerk Quereinsteiger braucht
Viele Handwerksbetriebe finden nur schwer Fachkräfte. Das Ergebnis: Arbeitgeber öffnen sich zunehmend für Quereinsteiger und investieren in deren Einarbeitung.
Ideale Quereinsteiger-Profile
Nicht jeder Quereinstieg funktioniert gleich gut. Diese Hintergründe sind im Handwerk besonders gefragt:
- Maschinenbauingenieure: Hervorragende Basis, da Thermodynamik, Strömungsmechanik und Werkstoffkunde direkt übertragbar sind.
- Elektroingenieure (allgemein): Perfekt für den Bereich Elektrotechnik im Handwerk – Starkstrom, Schwachstrom, Gebäudeautomation. Oft ist kaum Umschulung nötig.
- Bauingenieure: Kennen Bauprozesse und Projektabwicklung. Der fachliche Sprung ins Handwerk ist überschaubar, besonders in Richtung Bauleitung.
- Energietechniker / Umweltingenieure: Die Energiewende macht dieses Profil ideal für Handwerks-Positionen mit Fokus auf Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.
- Anlagenmechaniker / Meister SHK mit Studium: Wer nach der Ausbildung studiert hat, bringt das beste Paket mit: Praxiserfahrung plus Theorie.
- IT-Spezialisten (Gebäudeautomation): Der Bereich Smart Building sucht aktiv nach IT-Profis, die sich in Gebäudeleittechnik einarbeiten.
Konkrete Einstiegswege
Je nach deinem Hintergrund gibt es verschiedene Wege ins Handwerk:
Weg 1: Direkteinstieg mit verwandtem Studium
Wenn du Maschinenbau, Elektrotechnik oder Bauingenieurwesen studiert hast, kannst du oft direkt einsteigen. Viele Arbeitgeber bieten eine strukturierte Einarbeitung, in der du Handwerks-spezifisches Wissen aufbaust.
Weg 2: Berufsbegleitende Weiterbildung
Handwerkskammern, Innungen und andere Bildungsträger bieten berufsbegleitende Lehrgänge an, etwa zu Wärmepumpe, Photovoltaik oder Gebäudeautomation. Dauer und Kosten hängen vom Programm ab.
Weg 3: Über den Arbeitgeber einsteigen
Einige größere Handwerksbetriebe bieten strukturierte Quereinsteiger-Programme an. Du wirst bezahlt, während du dich einarbeitest – mit einem Mentor und einem klaren Entwicklungsplan.
Weg 4: Einstieg über angrenzende Rollen
Technische Vertriebspositionen bei Handwerks-Herstellern oder Projektassistenz-Rollen sind niederschwellige Einstiegspunkte. Von dort kannst du dich in fachliche Rollen entwickeln.
Was Quereinsteiger verdienen
Was du als Quereinsteiger verdienst, hängt von deinem Gewerk, deiner Region, dem Arbeitgebertyp und deinen Berufsjahren im Gewerk ab. Zur Orientierung die Werte zweier Gewerke (Jahresbrutto):
- Elektriker: Einstieg als Geselle nach der Ausbildung 32.000 Euro, Median 42.000 Euro.
- Anlagenmechaniker SHK: Einstieg als Geselle nach der Ausbildung 36.000 Euro, Median 48.000 Euro.
- Mit wachsender Erfahrung: Wie sich das Gehalt mit den Berufsjahren entwickelt, zeigt der Gehaltsrechner für dein Gewerk und deine Region.
Verkaufe dich nicht unter Wert. Deine Berufserfahrung aus verwandten Branchen hat einen echten Wert – Projektmanagement-Skills, technisches Verständnis und Kundenumgang sind direkt übertragbar.
Typische Herausforderungen beim Quereinstieg
Ein ehrlicher Blick auf die Hürden hilft bei der Vorbereitung:
- Gesellenprüfung: Ohne Ausbildung im Gewerk fehlt dir der Gesellenbrief. Ob eine Umschulung oder die Zulassung zur Gesellenprüfung ohne Ausbildung (Externenprüfung) für dich in Frage kommt, klärt die Handwerkskammer.
- Normenkenntnis: VDI-Richtlinien, DIN-Normen und technische Regeln sind im Handwerk allgegenwärtig. Erfahrene Kollegen nehmen diese als selbstverständlich – für Quereinsteiger ist das Neuland.
- Handwerker-Software: Branchenprogramme wie pds, Streit oder Label sowie Mess- und Kalkulationstools erfordern Einarbeitungszeit.
- Branchensprache: Das Handwerk hat eine eigene Fachsprache. Begriffe wie Aufmaß, Gewerkeschnittstellen oder Nachtragsmanagement müssen sitzen.
5 Tipps für den erfolgreichen Einstieg
- Nimm Kontakt zur Handwerkskammer oder Innung vor Ort auf: Kläre dort, welcher Weg in dein Wunschgewerk zu deinem Hintergrund passt, bevor du dich festlegst.
- Lerne die Abläufe deines Gewerks: Verstehe, wie ein Auftrag vom Aufmaß bis zur Abnahme läuft.
- Nutze einen spezialisierten Personalberater: Ein auf Handwerk spezialisierter Headhunter kennt die Arbeitgeber, die offen für Quereinsteiger sind, und kann deine Erfahrung richtig positionieren.
- Suche dir einen Mentor: Ein erfahrener Geselle oder Meister als Mentor beschleunigt deine Einarbeitung enorm.
- Investiere in moderne Gewerkskompetenzen: Zusatzqualifikationen wie Wärmepumpen-Fachkraft, Photovoltaik-Installateur oder KNX/Smart-Home verschaffen dir einen Vorsprung gegenüber vielen erfahrenen Handwerkern, die diese Felder noch nicht abdecken.